Mystik im Alltag

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Batman der Erlöser Collagenausschnitt


Konsum und Kult!
"Gelangweilt vom Buddhismus? Genervt von Scientology?
Dann hat die Kirche von Batman, dem Erlöser, die Antwort für Dich!"
(zitiert aus "The Zero Theorem" – Film von Terry Gilliam - gesehen auf YouTube 2025)

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Wenn Gott tot und die alten Götter gestorben sind, suchen wir uns sofort neue Götter.

Im ausgehenden 20. Jahrhundert und im beginnenden 21. Jahrhundert glauben wir z.B. an Chemtrails, an Aluminiumpartikel, die unsere Gehirne mit Alzheimer und Autismus infizieren oder an die Götter aus den Marvel Comics (Thor!), an Außerirdische oder daran, dass die Amerikaner nie auf dem Mond waren (der übrigens hohl ist; Anm.)

Aus den Angeboten verschiedener Sekten, esoterischer Heilslehren und Modetrends kann sich jeder Mensch heute seine individuell an ihn angepasste Privatreligion zusammenkleben wie ein Modell aus dem Playmobil- Baukasten.

"Who on earth do you think you are, A superstar? Well, all right, you are!"
(zit. aus John Lennon – "Instant Karma" - Text gefunden auf YouTube Music 2025)


Einen Glaubensersatz stellt auch die moderne Waren- und Konsumwelt dar.
Duchamp hat das schon geahnt und ein Flaschenregal als anbetungswürdiges Kunstwerk ins Museum gestellt. Warhol hat es erkannt und die Suppendose wurde unsterblich!
Elfriede Jelinek ist es mit ihrem Roman "Wir sind Lockvögel, Baby" gelungen, einzig und allein aus Versatzstücken aus der Produktwerbung einen erstklassigen Roman mit 256 Seiten zu schreiben.

Wir Alltagsmenschen haben durch die Konsumwelt bereits Unsterblichkeit erlangt und wurden und sind gottgleich (!) - denn:

jeder von uns nimmt jährlich Mikroplastik ungefähr in der Menge einer Kreditkarte durch die massenproduzierte Nahrung auf, und wenn wir gerne Softdrinks oder Bier aus Dosen trinken, bestehen wir schon zu einem Gutteil aus Aluminium.
Etwas Unsterbliches bleibt also von uns für alle Zeiten zurück, wenn wir diese Welt für immer verlassen.

"Lagerabteil 9 hat sich letzte Woche selbst zerstört und dabei den gesamten Schiffsvorrat an Toilettenpapier zerstört."
(zit. aus "Dark Star" – Film von John Carpenter - gesehn auf YouTube 2025)


Die Waren an sich sind unsere Götter geworden.
In den designbesessenen Achtzigerjahren wurde es so wichtig, ausschließlich Kleidung, Schuhe und Taschen ganz bestimmter Marken zu tragen und nur Parfums ganz bestimmter Designer, dass Florian Illies 2001 rückblickend einen ganzen Essay darüber geschrieben hat ("Heute fühle ich mich schlecht, weil ich ein weißes T-Shirt von Boss trage").
Im Jetzt werden die Influencer im Internet angebetet. Menschen, die im Grunde nichts sind, nichts wissen und nichts können, aber die richtigen – die wahren (rechtgläubigen?) Produkte vermarkten (predigen?)

"Ein halbes Dutzend rosafarbener Flamingos, die nachts über die Alpen fliegen."
(zitiert aus Hervé Tellier – "Die Anomalie" – Roman)


Im Grunde genommen ist das Thema Konsum & Kult uralt, denn im alten Testament tanzen die Menschen um ein goldenes Kalb, das sie anbeten, und im neuen Testament jagt Jesus die Händler aus dem Tempel, weil sie aus diesem einen Supermarkt gemacht haben. (damals schon!)

Schließlich gibt es auch noch Kunstsupermärkte und ist Kunst auch nur eine Ware (wenn auch eine teure)
Das Thema kann ironisch, kritisch oder ästhetisch angegangen werden.
Es kann auch nur auf einen der Teilaspekte (Religion/ Ware/ Konsum/ Kunst als Ware) eingegangen werden, genauso aber auch auf alle genannten Aspekte zusammen.

Zum Vergleichen:

mein Text wurde - im Jahresprogramm von Kunst Aspekt 2026 - dann - ohne Rücksprache mit mir - umgeschrieben (und ich finde, nun ist das Konzept ein Anderes geworden, Du auch?) zu Folgendem (zitiert):

Die Ausstellung setzt sich kritisch, ironisch und ästhetisch mit dem Verhältnis von Konsum und modernen Kultformen auseinander.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Waren, Marken, Influencer, Ersatzspiritualitäten und mediale Rituale die Rolle einnehmen, die früher Religionen hatten - und wie Kunst selbst Teil dieser Logiken wird oder ihnen widerspricht.
"Konsum & Kult" untersucht, wie sich die Rolle des Glaubens im 21. Jahrhundert verschoben hat - weg von traditionellen Religionen, hin zu Ersatzsystemen, die sich in Warenwelt, Lifestyle-Ideologien und digitalen Ritualen manifestieren. Das Bedürfnis nach Orientierung, Zugehörigkeit und Sinn bleibt bestehen, aber die Quellen ändern sich. Marken, Produkte, Verschwörungsmythen, Influencer und esoterische Heilsversprechen übernehmen Funktionen, die früher Religionen vorbehalten waren.
Konsum wird zum Ritual. Waren werden zu Fetischen."


Zitatende


Ich bin nicht ganz glücklich - und ich weiß, ich sollte nicht so stark bekritteln, weil das sehr unsolidarisch ist - besonders mit den Begriffen und Formulierungen "Fetisch" (mir ist das zu explizit - in der Konsum & Kult Ausstellung im September 2026 waren dann auch dementsprechende Installationen ausgestellt...), dann "Konsum wird zum Ritual", "aber die Quellen (?!) ändern sich" und "Logiken"...
Ich würde mich selbst nie so ausdrücken - und weiß auch nicht welchen inhaltlichen Sinn z.B. die Formulierung "Konsum wird zum Ritual" * haben soll.

Mein Stil ist freilich auch nicht ideal, das gebe ich zu. Viele finden ihn zu langatmig und schwerfällig. Und mein ursprünglicher Text WAR tatsächlich zu lang für das Jahresprogramm und musste daher zusammengekürzt werden...

Gut, man kann ab jetzt beide Versionen vergleichen....

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Anmerkungen:

* außer vielleicht, wenn man den regelmäßigen Einkauf von Eiern, Brot und Müsli zum Frühstück meint...