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mountains of things

"Wo ein Bild ist, hat die Wirklichkeit ein Loch." *
(Botho Strauß "Trilogie des Wiedersehens")

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Was meine Bilder erzählen


Ich habe vier "edle Wahrheiten" zu meinen Bildern gefunden:

Die erste Regel lautet:
es gibt keine Regeln wie meine Bilder zu sehen sind.

Wie die Texte, die ich hier veröffentliche so sind auch die Bilder Einzelteile eines Puzzles – mit jedem Bild das ich male nähere ich mich einem Ganzen an – es wird aber immer nur bei der Annäherung bleiben – es bleibt dir überlassen herauszufinden, wie die Bilder inhaltlich zusammenhängen könnten.
Und es gibt so viele Zusammenhänge wie Betrachter.

Die zweite Regel:
Es gibt keine Wahrheit!

Denn jedes einzelne meiner Bilder und jedes Bild jeden anderen Malers (oder Malerin) hat so viele Bedeutungen wie es Betrachter hat.

Ein Gleichnis von Platon erzählt die Geschichte von den Menschen, die in einer Höhle angekettet eine Wand anstarren auf die Schatten geworfen werden. Das sind die Schatten aller Dinge auf dieser Welt, die uns umgeben, und deren wahres Wesen wir nicht erkennen können.

Ein Bild, das die meisten Menschen als "gegenständlich", "naturgetreu" oder "realistisch" bezeichnen würden, ist demnach
die Abbildung eines Schattens – das Bild ist der Schatten eines Schattens.


Die Bedeutendsten der ersten sogenannten "abstrakten" Maler des frühen vorigen Jahrhunderts wollten vermittels der Abstraktion das wahre Wesen der Dinge zu fassen versuchen, es greifen und sichtbar machen.

Ich persönlich glaube, dass es möglicherweise nicht möglich ist, jemals dieses wahre Wesen der Dinge in dessen Gesamtheit zu erkennen. Wir sind nun einmal in dieser Höhle angekettet und haften an unsere unvollkommene Wahrnehmung an, verstrickt in den Ketten, die uns an diese Höhle binden, die die Welt vorstellt auf der wir uns (vermeintlich?) bewegen.

Daher bin ich Schattenfänger.

Meine Bilder sind Schatten von Schatten, in die ich bestenfalls einen Subtext einfügen kann.

Wenn ich einen Schatten mit Farben auf einen Bildträger werfe, wie der Filmprojektor den Film auf die Leinwand – kann es sein, dass mir zum eigenen Bild ein Wort einfällt – das mir die ganze Zeit – während ich male - wie ein ewiges Mantra im Kopf herumgeistert. Ein solches Wort binde ich – wenn ein gutes Gefühl damit verbunden ist – eventuell in den Bildkontext ein. Denn es könnte von Bedeutung sein. Es kann auch gar nichts bedeuten – doch das interessiert mich nicht – wenn das Bild intuitiv entspricht.

Genauso kann ein zweites Bild auftauchen – während ich male - das ich dann in den Bildkontext einführe.

Oder ein Bild zu malen, macht es unbedingt erforderlich für ein nachfolgendes Bild ein ganz bestimmtes Motiv – und kein anderes! – zu wählen.

Die dritte Regel lautet:
ein Bild ist einfach nur ein Ding – also ein Gegenstand, auf den Farbe aufgetragen wurde, also ein eingefärbter Gegenstand – mitunter mit dekorativer Wirkung – sodass man Ihn – wenn er farblich dazu passt – auch über das Wohnzimmersofa hängen kann.

Und das ist es was ich gegenwärtig tue. (dick auftragen – meine ich)

Ich trage also Farbe auf Dinge auf und werfe Schatten von Schatten auf Papiere und Leinwände, genauso wie ein Filmprojektor Lichter und Schatten und damit ein Scheinleben auf die Kinoleinwand wirft.

Die vierte Regel lautet:
Sieh dir meine Bilder an und bilde dir deine eigene Meinung dazu.

Habe einfach Freude damit oder rege dich auf darüber oder bleibe auch gleichgültig gegenüber dem was du da siehst – du siehst in jedem Fall nur das was schon in dir war bevor du zum ersten Mal - mystikimalltag.info - besucht hast


Nachsatz:

und was wäre wenn Platon einfach nur ein Blödmann gewesen sein sollte, der sich wichtig machen wollte?

Doch das ist eine ganz andere Geschichte…

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Zitat:

* Botho Strauß, "Trilogie des Wiedersehens", entnommen aus der Reihe "Spectaculum · moderne Theaterstücke", Suhrkamp Verlag 1. Auflage 1978.